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Ein Blick hinter die Kulissen der Serenissima – Interview mit Journalistin und Schriftstellerin Petra Reski
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Ein Blick hinter die Kulissen der Serenissima – Interview mit Journalistin und Schriftstellerin Petra Reski

Ciao, meine Lieben. Vor kurzem ging es mal wieder durch die Medien. Die Kreuzfahrtschiffe sind endlich aus Venedig verbannt. Warum diese Aussage mit Vorsicht zu genießen ist, das erfahrt ihr in dieser Episode. Wir haben uns extra mit Autorin und Journalistin Petra Reski getroffen. Und sie wird uns ein paar Infos über die Hintergründe und die tatsächliche Lage geben.

Petra Reski mit ihrem aktuellen Buch: Als ich einmal in den Canal Grande fiel. Vor dem Teatro la Fenice.

Transkript:

Hallo, ich bin Chris, Fotograf und Podcaster. Eigentlich veranstalten wir Fotoreisen und Fotokurse. Allerdings gibt es zu jedem Ort, an dem wir präsent sind, einen Podcast.
Für Irland ist das Erlebnis Irland, für Venedig und Italien ist das Erlebnis Venedig. Unsere Podcast sind dazu gedacht, nicht nur Tipps für spannende Locations zu geben, sondern euch auch ein Gefühl für die jeweilige Umgebung zu vermitteln. Gerade in Venedig scheint das zu Karneval besonders nötig zu sein, denn dort schieben sich zusätzlich zu den normalen Touristenmassen noch viel mehr Menschen durch die engen Gassen. Und auch bei den Shootings mit den Masken geht es sehr eng zu und das reibt durchaus spannende Blüten. Absperrungen werden missachtet und andere Fotografen werden einfach mal abgedrängt.
Vor zwei Jahren war ich mit unserem Model Check Mac Crail beim Karneval unterwegs. Früh am Morgen. So kurz nach 6, wollte ich ihn gerade fotografieren. Unter den Arkaden. Beim Dogenpalast. Ich hatte gerade noch Gelegenheit, ihn richtig in Pose zu stellen, da waren schon vier unserer lieben Kollegen da und ich brauchte die Kamera gar nicht mehr auszupacken, weil ich schlicht gar keinen Platz hatte, um zu fotografieren. Das ist nur ein Beispiel. Und sowas geht natürlich nicht. Deshalb machen wir diesen Podcast. Wir machen diese Podcasts, damit ihr ein Gefühl für die Umgebung bekommt. Dass ihr wisst, was auf euch zukommt und auf was ihr achten müsst. Venedig ist nicht nur eine Fotolocation, es ist eine Stadt, in der echte Menschen leben. Ein Ökosystem, in das wir einbrechen. In dem es schon genug andere Probleme gibt. Auch so ist das Leben schon schwierig in dieser Stadt.
Nicht nur, weil die Straßen Tag für Tag von Touristen verstopft sind und es fast kein Vorankommen gibt. Leben ist auch umständlich und teurer, weil alles übers Wasser herbeigeschafft werden muss. Man kann nicht einfach mal eben zum Discounter fahren, mit dem Auto einkaufen und das Auto dann bequem vor dem Haus abstellen zum Ausladen.Nein, alles muss zuerst herangeschafft werden. Arbeitsstellen gibt es wenig, außer halt in dem Tourismus. Deshalb verlassen auch viele Venezianer die Stadt und ziehen aufs Festland, zum Beispiel nach Mestre. Ihre Wohnungen werden an Touristen vermietet bzw. in Touristenunterkünfte umgewandelt.
Stichwort Airbnb. Auch politisch ist Venedig nicht unabhängig, sondern bildet eine Einheit mit Mestre und weiteren Gemeinden auf dem Festland, so dass der Ausverkauf auch politisch schwer zu stoppen ist, da nicht gewollt. Ich meine: Wer schlachtet schon die Kuh, die man melken will?


Dagegen kämpft Journalistin Petra Reski. Die ich heute für euch im Interview habe. Verfolgt man die Medien, wird immer wieder laut verkündet, es dürfen keine Kreuzfahrtschiffe mehr in die Stadt Venedig einfahren bzw. den Canale Grande einfahren. Verfolgt man dann die Medien weiter – ein paar Tage später, sieht man dann wieder, wie ein solches Koloss höher als der Campanile durch den Canale Grande fährt. 
Was ist da los? Das haben wir unsere Interviewpartnerin Petra Reski gefragt: 

“Also erstmal dafür sind dafür verantwortlich die großen Lobbyverbände der vor allen Dingen der Kreuzband Industrie, die ihre Interessen hier gegen die Interessen der Venezianer durchsetzen.
Aber am Anfang der ganzen Geschichte steht vor allen Dingen der Untergang der Costa Concordia. Ein Jahr danach gab es ein Dekret hier in Italien Venedig, das die Kreuzfahrtschiffe nicht mehr am Markusplatz vorbeifahren durften.
Es sie hätten dann einen anderen Weg über einen noch auszugegrabenen Kanal nehmen sollen. Dazu ist es aber nie gekommen. Um es kurz zu machen, jetzt wurde wieder ein neues Gesetz bzw Dekret veröffentlicht, was aber genauso mit zwei nicht zu realisierenden Möglichkeiten spielt.
Das heißt, das Dekret besagt, dass Kreuzfahrtschiffe unter 40000 brutto Registertonnen nach wie vor am Markusplatz vorbeifahren dürfen. 40000 Brutto Registration entsprechen der Größe der Titanic, nur um eine Größenordnung zu geben. Alle anderen dieser Monster, die noch viel größer sind-  90.000 und 96000 Brutto Registertonnen – sollen jetzt einen anderen Weg nehmen, den Kanal de Petroleo  Das ist ein Kanal, der normalerweise von den Erdöltankern und anderen Industriesschiffen genutzt wird. Sie sollen dann im Industriehafen in Magera anlegen. In Magera gibt es aber keine Anlegestelle für Kreuzfahrtschiffe. Was passiert? Alle Kreuzfahrtschiffe, egal ob sie 40000 oder 90000 werden nach wie vor am Markusplatz vorbeifahren und eine Kreuzfahrt Hafen anlegen.


Es gibt dann noch mit einer anderen Variante in diesem Gesetz gespielt, die komplett utopisch ist. Es entspricht nicht der Realität. Es wurde die Möglichkeit eines außerhalb der Lagune zu installieren in Hafens erwogen. Außerhalb der Lagune muss man erst mal definieren, was heißt außerhalb der Lagune?
Es gibt ein Projekt, das ist aber nicht außerhalb der Lagune, sondern ist de facto innerhalb der Lagune. Und wenn man, wenn man bedenkt die Lagune endet hier, macht sie 5 Meter weiter, dann musst musste dann von diesem Kreuzfahrtschiff, auf dem sich dann schätzungsweise 6000 Passagiere befinden, die dann irgendwie durch die Lagune karren und zwar mit Schiffen, mit und mit einem großen Aufwand, was eine weitere Zerstörung der Lagune bedeuten würde. Das Problem ist die Journalisten, die darüber berichten, kennen Venedig nicht, kennen auch die die Bedingungen nicht aber die Politiker, die wir, die solche Entscheidungen treffen, kennen Venedig auch nicht bzw. stehen im Dienste der großen Lobbys, der Kreuzfahrtindustrie und auch des venezolanischen Flughafens. Denn die haben ja auch ein großes Interesse daran. Viele der Leute des Kreuzfahrttourismus kommen ja Venedig an und reisen wieder ab über den Flughafen.
Das sind die Interessen. Das ist die eine Sache. Man fragt sich jetzt ja, wie kann es sein, dass Venedig eine Kreuzfahrt Industrie weiter irgendwie zulässt, die gegen die Interessen von Venedig, also zur Zerstörung der Lagune beiträgt?


Das hat damit zu tun, dass wir Venezianer, die nur noch 50000 sind, im Faschismus zusammengeschweißt wurden, also in einer Zwangsehe mit dem Festland. Es gab eine Gruppe faschistischer Industrieller, die also eine stadtplanerische Idee hatte und die diese unter Mussolini durchgesetzt hat.
Das heißt also, Venedig wurde als wurde mit dem Festland zusammengeführt. Das heißt, die Gemeinde Venedig besteht aus Venedig und dann Mestre, Zellarino und noch anderen Gemeinden. Und so weiter.
Auf dem Festland leben 180000 Einwohner in Venedig 50000. Die die auf dem Festland wohnen, leben natürlich in erster Hinsicht vom Tourismus, der hier in Venedig stattfindet. Sie müssen aber nicht die Konsequenzen dieses Tourismus ertragen. Demzufolge, wenn ein Bürgermeister in Venedig gewählt wird – und jetzt haben wir einen Bürgermeister, der wie alle anderen Mitglieder des Stadtrats nicht in Venedig wohnt – nie in Venedig gewohnt hat, trifft er natürlich die Entscheidungen, die nicht im Interesse von Venedig sind. Ganz abgesehen davon, dass es sich dabei um einen Unternehmer handelt, der vor allen Dingen seine eigenen Interessen durchsetzt.” 

“Okay, okay. Und jetzt? Wir haben uns vorher schon mal kurz unterhalten, wir haben gesagt, dass der Tourismus, so wie er jetzt ist, generell nicht gut für die Stadt ist. Wie müsste er denn ihrer Meinung nach aussehen?”

“Also wir reden hier von einem Tourismus, der in normalen Zeiten und das wird spätestens wie ihn laut Ankündigung im Herbst auch wieder so sein. Der Tourismus spült zu normalen Zeiten 30 Millionen Touristen nach Venedig.Von diesen 30 Millionen sind ungefähr 90 Prozent Tagestouristen. Diese Tagestouristen essen nicht in Venedig, trinken nichts in Venedig,  kaufen, nichts in Venedig. Das heißt also, die Venezianer, die vom Tourismus leben, können von dieser Art von Tourismus überhaupt nicht leben.
Es ist ein Tourismus, von dem vor allen Dingen große internationale Konzerne leben, wie zum Beispiel Airbnb. Airbnb hat dazu beigetragen, dass inzwischen es fast unmöglich ist, für normale Familien in Venedig eine Wohnung zu finden, weil jeder, der eine Wohnung hat oder vielleicht von seinen Eltern geerbt hat und irgendwo auf dem Festland wohnt, sich natürlich sagt Warum sollte ich die an Venezianer vermieten, die ich am Ende nicht mehr rauskriegen könnte. Sondern ich werde sie als Airbnb vermieten, wo ich pro Wohnung 1000 Euro pro Tag einnehmen könnte. Und dieses geschieht natürlich vermehrt. Das heißt also, Venedig ist übrigens die Stadt mit dem meisten Airbnb Wohnung in Italien.
Und es wurden hier ganze Straßenzüge aufgekauft, also ganze Häuser. Und das heißt also, ein Besitzer hat beispielsweise 112 Wohnungen. Obendrein gibts dazu auch noch Steuererleichterungen. Sie bezahlen nur 25 Prozent Steuern, also viel weniger als normalerweise in Italien versteuert wird.
Und da ist natürlich auch die Möglichkeit, Geld zu waschen, das macht das ganze obendrein sehr interessant. Das heißt also, dieser Art von Tourismus und Airbnb Tourismus ist beispielsweise ein Tourismus, von dem Venedig in keinster Weise leben kann.
Und das heißt, langfristig macht dieser zerstörerische Tourismus auch das Leben, das tägliche Leben hier unmöglich, in dem Sinne von, dass es kaum noch Läden des täglichen Bedarfs gibt. Das heißt also, wer hier wohnt, der hat natürlich schon große Schwierigkeiten, alleine ein ganz normales Leben zu führen. Es wurden Schulen geschlossen, die Ämter wurden aufs Festland verlegt. Mehr und mehr. Es ist also für Venezianer ein noch beschwerlicheres Leben geworden. Ganz abgesehen davon, sich täglich durch Reisegruppen durchkämpfen zu müssen. Und das ist auch noch wichtig für Venedig Liebhaber.


Ich habe das eben gemerkt, gerade in dieser Zeit der Coronapandemie. Letztes Jahr kamen zum Beispiel im Sommer sehr viele Venedig Liebhaber, die mir dann gesagt haben Wir kommen jetzt erst wieder mal nach Venedig, weil wir Venedig in den normalen Zeiten nicht mehr ertragen haben.
Und das ist das Kontraproduktive daran. Das heißt also, dass dieser zerstörerische Tourismus, dieser Overkill an Tourismus, die wirklichen Venedig Liebhaber, die sich die länger kommen. Die nicht nur einen Tag kommen, die sich wirklich für die Stadt interessieren. Die sich für diese Lebensform und für die Kultur interessieren, dass die eben nicht mehr kommen.”


„Okay, ich habe auf Ihrer Homepage gelesen, es gibt bei  der Rialto, ich weiß den Namen nicht, eine Apotheke, da wird angezeigt, wie mir genau wie viele Venezianern die Stadt verlassen haben. Auf was bezieht sich das? Da steht was um die 50000 jetzt gerade allgemein oder nur in einem bestimmten Zeitraum?”
“Das ist, das ist immer die aktuelle Einwohnerzahl, die da angezeigt wird in der Apotheke. Die Einwohnerzahl, die jetzt noch in Venedig lebt. Es steht nur eine Zahl als eine leuchtende Anzeige in Apotheke Morelli und da steht jetzt 50000. Und bald sind wir darunter. Wenn wir nicht schon darunter sind. Also seit 30 Jahren lebe ich in Venedig und pro Jahr haben wir 1000 Einwohner verloren. Als ich kam, gab es sogar noch viel mehr. Es waren noch mehr als 80000 Einwohner.
In Venedig waren glaube ich 85000 und das heißt also wir haben 35 tausend Einwohner in 30 Jahren verloren.”
“Und wieviele waren es dann ganz früher?” 
“Früher mal 180000 in Venedig, also Venezianer. 

“Es ist in Venedig nicht so, wie in anderen italienischen Städten. Das ist ein Propgandalüge. Es wird erzählt, Venedig sei ein historisches Zentrum. Venedig ist eine Stadt, die selbstständig lebt für sich und immer gelebt habe in der ganzen Geschichte. Venedig ist nicht das historische Zentrum von whatever, also man kann es nicht vergleichen, beispielsweise mit der mit der Entwicklung von Städten wie Florenz oder Rom, wo es tatsächlich ein historisches Zentrum gibt und viele Außenbezirke. In Venedig gab es nicht diese, was in anderen Städten passiert ist,also dass diese Gentrification. Das heißt also dass sich Viertel in der Struktur verändert haben, weil Wohlhabendere eingezogen sind.
Das gibt, das gab es in Venedig gar nicht, sondern hier in Venedig wurden die Einwohner Venedigs durch Touristen ersetzt. Und das ist das Tragische.” 


“Ja gut, aber wie ist es denn? Wie würde jetzt, das habe ich vorher schon mal gefragt, eine bessere Form verträgliche Reform von Tourismus aussehen?”


“Also wir bedenken jetzt mal, dass hier 30 Millionen Touristen pro Jahr einfallen. In normalen Zeiten. Und dann könnte man ja annehmen, dass es hier ein ganzes Heer an Tourismus Experten damit beschäftigt wäre, diese Massen in irgendeiner Weise in Griff zu kriegen.
Stattdessen ist es aber so, es gibt eine einzige Stadträtin für Tourismus, die kein Englisch spricht. By the way und es gibt keinerlei Initiative, auch nur ansatzweise zu versuchen, diese den Tourismus in Bahnen zu lenken. 
Es gibt sehr viele Tourismus Experten, die auf der ganzen Welt im Übrigen nicht nur nicht nur in Venedig, die aber allerdings nicht mit dem mit dem Stadtrat zusammenarbeiten, sondern die alleine für sich forschen und die auch diverse Vorschläge gemacht haben.
Schon oft, hat man darüber nachgedacht, wie man erstens den Tourismus kontrollieren kann. Das heißt also, man könnte sehr ihn sehr einschränken und natürlich als allererste wäre natürlich Airbnb. Das wäre das allererste.
Und man könnte auch sagen, es gab mal den Vorschlag, den ich irgendwie ganz interessant fand. Nur so ein Vorschlag unter vielen. Dass der Zugang zum Markusplatz denn Tagestouristen eingeschränkt wird. Die wollen ja alle nur eines: Ein Selfie am Markusplatz machen, auf der Rialto Brücke. oder mit Seufzer Brücke. Das heißt also, man könnte beispielsweise rein theoretisch dafür ein Eintrittsgeld verlangen.
Aber es gibt noch viel bessere und auch ausgefeiltere Konzept. Nur so als Beispiel könnte man den Markusplatz nur für diejenigen  zugänglich machen. die sich länger in Venedig aufhalten.  Drei Tage oder so. Tagestouristen müssten dann extra den Zugang zum Markusplatz buchen.
Und wenn sie das nicht gebucht haben, können sie nicht zum Marktplatz. Damit würde man von vornherein schon einen gewissen Strom von Touristen umleiten. Um es kurz zu machen, in irgendeiner Weise den Touristenstrom zu kontrollieren und vor allen Dingen auch nachhaltig zu machen.
Dieses wurde nie versucht in Venedig. Im Gegenteil wurde der Tourismus betrachtet wie so eine Naturgewalt, wie ein Regenguss, der kommt. Manchmal kommt er, manchmal kommt er nicht. Und wenn er da ist, versuchen wir ihn irgendwie davon in den Griff zu kriegen.“


“Alles gut. Also mein Gedanke geht halt in die Richtung. Wir haben ja ein Haus in Spanien. Die nächste Stadt Calpe zum Beispiel. Die hat normalerweise 10000 Einwohner, im Sommer sind es 30000. Ansonsten außerhalb der Saison stehen viele Häuser und Wohnungen leer. Ich meine, dann kann es aber auch nicht so richtig interessant sein, wenn jetzt irgendwelche Touristen habt ihr ihren Zweitwohnsitz haben. Oder sehe ich das falsch?”


“Nein, eben nicht. Also genau diese Zweitwohnsitz Geschichte, die müssen natürlich auch in irgendeiner Weise geregelt sein. Also die wird aber in keinster Weise geregelt. Das heißt also bei uns im Hause zum Beispiel unsere außer unserer Wohnung, da gibt es noch zwei, die auch von normalen Menschen in bewohnt werden.
Und die anderen sind irgendwann mal als Ferienwohnungen gekauft worden und dann hat man irgendwann mal die Lust verloren, nach Venedig zu kommen und hat dann aber dieses wunderbare Geschäftsmodell Airbnb entdeckt. Und das heißt also im Moment gerade die Zweitwohnungen sind eben vor allen Dingen eine Einkommensquelle für jemanden, der nichts mit Venedig zu tun hat.
Und das ist das, also diese Zweitwohnung. Das müsste natürlich in irgendeiner Weise kontrolliert werden. Also ich meine jetzt nicht nur das zum Geldverdienen, sondern ich meine auch wenn jetzt jemand das Ding kauft und das ganze Jahr nicht da ist.”
“Das ist das dann aber auch kontraproduktiv.”
“Ja, natürlich ist das kontraproduktiv. In jeder Hinsicht ist das kontraproduktiv. Aber wenn es das gibt ja immer so, das wird einfach so, wie soll ich sagen, wie ein Dogma wird das wird dieses Eigentum in Anführungsstrichen verteidigt.
Das heißt also, jemand kauft sich eine Wohnung und kann damit machen, was er will. Das heißt, das ist ja auch das Problem. Wenn zum Beispiel bei Airbnb, das im Winter nicht funktioniert, dann stehen ganze Straßenzüge hier leer.
In Venedig  ist das genau der Punkt. Und das ist eben halt die Verödung, sozusagen das Aussterben von Städten. Nicht nur Venedig, sondern eben Barcelona in Amsterdam und so weiter. Genau das Gleiche. “
“Stichwort Corona. Das wäre doch jetzt eigentlich eine Möglichkeit, um elegant neu zu starten, oder?Aber Sie haben jetzt vorher angedeutet, dass das jetzt wieder so weitergeht, wie es im Herbst aufgehört hat.”
“Richtig. Da gibt es also keinen Plan, da irgendwas anders zu machen. Es gibt keinerlei Absicht, auch nur irgendwas anders zu machen. Der Bürgermeister, der ja eben Unternehmer ist und von einem großen Zynismus und vor allen Dingen da er auch selbst zu Zynismus getrieben wird und vor allen Dingen von einem selbst Geschäftssinn für sich selbst. 


Er hat zum Beispiel ein großes Areal am Rande der Lagune gekauft, was er langfristig nutzen möchte und die dieses Ganze Ihm ging es im Wesentlichen darum.
Ihm und anderen ging es im Wesentlichen nur darum, die Sache aus zu sitzen, bis dann wieder der Tourismus in gewohnter Form anlaufen würde. Das ist der Plan gewesen. Man kann gar nicht von irgendeinem Plan reden. 
Und für die Venezianer, es gibt ja in Venedig unendlich viele Bürgerinitiativen, die sehr, sehr aktiv sind und die eben auch sich sehr viele Gedanken darüber gemacht haben, wie es nach Corona weitergehen könnte und die auch alternative Konzepte entwickelt haben, wie zum Beispiel die Ansiedlung gerade des Smart Working wäre ja rein theoretisch eine gute Gelegenheit für Venedig. Das wäre eine Möglichkeit wieder neue Anwohner zu werben. Das heißt also, man wenn man auch in Mailand oder sonst wo arbeitet, könnte man ja rein theoretisch auch in Venedig arbeiten.


Und das ist eben wäre eine Möglichkeit. Es gab einen einen Bürger Aktivisten, der da ein richtiges Anwerber Programm entworfen hat. Es gibt dann auch Ideen für das Arsenale, vor allen Dingen da eben wieder Handwerksbetriebe anzusiedeln. Das steht irgendwie leer.
Und also Handwerksbetriebe zum Beispiel auf im Bootsbau betrifft. Es gibt auch Konzepte für einen einen alternativen Kreuzfahrt Tourismus. Also Kreuzfahrttourismus bis zu einer gewissen Klasse. Der sogenannte Classe Venezia, kleine Kreuzfahrtschiffe, die mit der Lagune kompatibel sind, hier anzusiedeln.
Es gibt da unendlich viele Ideen, aber wenn man sich natürlich nur der Logik der großen internationalen Konzerne unterwirft, die ihre Lobbies haben und auch die Politiker dafür bezahlen, dann hat man natürlich damit keine Chance. Also da ist jetzt auch kein wirklicher erfolgversprechendes Konzept dabei, weil irgendwo der Wille fehlt, die Möglichkeit das auch umzusetzen.”


“Geld oder was auch immer. Das ist richtig verstanden?”


“Nein, die nicht das Geld ist das was fehlt, sondern es geht um den politischen Willen, der fehlt. Und wir haben leider so lange wir eben mit dem Festland zusammengeschweißt sind und die Entscheidung dieses Bürgermeisters ertragen müssen, sehe ich da wenig Chancen für Venedig.”
“Also der Bürgermeister ist jetzt nicht nur für Venedig zuständig, sondern auch noch für uns andere, für diese gesamte Großkommune. Habe ich das Richtig verstanden?Okay, dann haben wir vorher über Ihr Buch gesprochen. Ich habe vorhin erzählt, dass wir auch schon ein paar Jahre immer wieder nach Venedig kommen.Wir würden uns, glaube ich, meine Frau und mich  als Venedig Liebhaber bezeichnen. Da hatten sie gesagt Da steht alles drin, was man wissen muss. Was muss man denn wissen?”
“Ja, das ist das Allerwichtigste für mich ist, dass man wissen muss, dass Venedig beispielsweise nicht über sein Schicksal selbst bestimmen kann.


Diese ganzen Hintergründe habe ich da versucht zu erklären. Und ich habe vor allen Dingen versucht zu beschreiben, wie das für die Venezianer ist, wenn sie sehen, dass das tägliche Leben hier im Grunde ausgerottet wird. Und das ist ja eben ein Punkt, der vor allen Dingen auch Venedig Liebhaber betrifft, denn die kommen ja nicht nur, um ein Gebäude zu bewundern, sondern eigentlich kommen sie ja auch wegen der venezianischen Lebensart, zu der beispielsweise auch die Küche gehört, also Gastronomie, die auch nicht mehr von Venezianern betrieben wird, also immer nur in Minderheit, sondern von Chinesen, Albanern und sonstigen.
Und dieses, diese ganzen Sachen sind natürlich irgendwie die die ich versucht habe in meinem Buch zu beschreiben und vor allen Dingen die Gründe dafür auch zu nennen und dass viele Venezianer sich auch dafür einsetzen  diesen Rest des täglichen Lebens hier zu verteidigen.”
“Das ist sehr spannend. Ich werde das Buch besorgen. Bisher habe ich es noch nicht gelesen, weil es hat mir einfach an Zeit gefehlt. Ich glaube, es gibt auch eine digitale Version, wenn ich es richtig sehe.
Aber das war mir dann zu schade dieses Buch stelle mir gern ins Bücherregal. Aber ich werde es mir auf jeden Fall holen, wenn ich wieder daheim bin. Ich habe gesehen, Sie beschäftigen sich generell mit relativ ernsten Themen bzw. die können kann ich mir vorstellen, dass Sie teilweise sehr unbequem waren.
Zum Beispiel Mafia Thema. Und ich weiß jetzt nicht, ob ich das richtig verstanden habe. Das reicht dann bis Deutschland, oder?  Das bezieht sich nicht nur auf Italien.”


“Die Mafia ist ja sowieso ein globales Phänomen und ist in Deutschland seit den 60er Jahren ansässig. Und weil in Deutschland offenbar bis heute ein großes politisch politisches Interesse an den Investitionen der Mafia existiert, gibt es auch bis heute keine wirklich nachhaltigen Gesetze gegen die Mafia in Deutschland.
Und darüber habe ich mich beschäftigt und habe diverse Bücher darüber geschrieben. Womit ich mir natürlich unter den Mafiosi in Deutschland und nicht nur unter denen keine Freunde gemacht habe. 
“Ja, das kann ich mir vorstellen. Vor allem kurz vor mir hierher gefahren sind, ich glaube, in der Woche vor wir her gefahren sind, letzte Woche, glaube ich sogar, war bei uns in der Gegend eine Razzia in Richtung Bodensee. Da ging es um Nudeln, wenn ich das richtig verstanden hab.”


“Es geht im Wesentlichen um Geldwäsche auch, aber vor allen Dingen solle italienische Restaurants,  unter Kontrolle gebracht werden und zwar dadurch dass sie gezwungen werden, der Mafia eben bestimmte Waren abzunehmen. Das ist die Form der der in Anführungsstrichen Schutzgelderpressung der italienischen Restaurants in Deutschland und am Bodensee und in Baden-Württemberg ist eine Hochburg der Drangheta, der kalabrischen Mafia. Und der Bodensee ist traditionell aus historischen Gründen, weil er eben halt nah an den Grenzen Schweiz und Österreich liegt.
Deswegen war das immer interessant für die Mafia zu der Zeit, als noch kein Schengen gehabt und da hat sie sich dann in der Zeit dort angesiedelt und da wird ja immer wieder regelmäßig jemand verhaftet aus dem Bodenseegebiet.”


“So was habe ich fast schon, habe ich fast schon vermutet. Wie sind Sie eigentlich jetzt in Venedig hängengeblieben? Das ist ja jetzt nicht so üblich.Also habe ich das so richtig verstanden. Sie sind schon vorher relativ viel in Italien unterwegs gewesen. Beruflich, als Journalistin, oder?”


“Ja, also hängengeblieben ist jetzt ein schöner Ausdruck dafür, dass ich einen Venezianer kennengelernt habe und auf einer Recherche aber die nur einen Tag gedauert hat in Venedig. Und dann kam ich gerade aus Palermo und habe da eine Reportage gemacht, genauer gesagt meine allererste Reportage in Italien. Und auf dem Rückflug muss ich hier noch ein Interview machen, was nie zustande gekommen ist.
Aber ich habe auf diesem Rückflug dann eben meinen Mann in Venedig kennengelernt und das war der Grund, weshalb ich dann in Venedig, wie Sie das so schön ausdrücken, hängengeblieben bin und das jetzt eben seit 30 Jahren der Fall und habe dann in der ganzen Zeit auch weiter als Journalistin gearbeitet.”
“Für ziemlich hochrangige Zeitungen habe ich gelesen. GEO zum Beispiel.”


“GEO, Merian, FAZ, Neue Züricher Zeitung es gibt irgendwie sehr viele. “


“Also dann vielen Dank für das Interview. Vielen Dank, dass Sie Zeit gehabt haben. Ich würde Ihre Bücher, das sind einige, habe ich festgestellt in den Shownotes ich verlinken.  Und dann schauen wir mal, ob wir dazu beitragen können, dass die Tourismus in Venedig ein bisschen angenehmer für die Venezianer wird.”


“Na ja, es ist ja auch angenehmer für die wirklichen Venedig Liebhaber. Darum geht es mir im Wesentlichen. Das Traurige daran ist ja nicht nur für uns Venezianer, sondern auch für die Menschen, die wirklich Venedig lieben und sich für Venedig interessieren.
Für sie ist es auch unerträglich geworden in Venedig. Von daher haben wir gemeinsames Interesse.”
“Okay, alles klar. Dann vielen Dank. Vielleicht unterhalten wir uns immer wieder, wenn wir wieder in Venedig sind, wenn sich irgendwas Neues ergibt.“

 
So unser Interview mit Petra Reski ist schon ein paar Tage alt.
Weil wir produzieren ja immer auf Vorrat und dann geht es ein paar Wochen, bis dann das der entsprechende Beitrag die entsprechende Episode ausgestrahlt wird oder online gestellt wird. Zwischenzeitlich gab es schon wieder einmal eine Meldung, dass große große Kreuzfahrtschiffe aus der Stadt verbannt worden sind.
Aber selbst wenn das so umgesetzt wird. Sind die Schiffe, die dann immer noch den Canale Grande befahren dürfen, länger als 2 oder nicht länger, aber fast so lang wie 2 Fußballfelder und immer noch so hoch wie ein 8 stöckiges Hochhaus.
Also immer noch groß genug, um Schäden an der in der Stadt anzurichten und immer noch genug Passagiere an Bord, um die Stadt zu überfluten, um einen Teil des Overtourism Problems der Stadt zu sein und es gibt immer noch keine ernsthafte Lösung.
Dazu hat Petra Reski sich auch geäußert, vor kurzem auch beim MDR. Ich werde euch das dann in den Shownotes verlinken, damit ihr auf dem aktuellen Stand seid. Ansonsten danke ich dir, dass du heute mit dabei warst und dir die Zeit genommen hast, uns zuzuhören.
In den Shownotes lege ich dir alles auf unserer Seite Erlebniss Venedig. Ansonsten findest du uns auf allen gängigen Podcast Plattformen auf YouTube. Ja auch da gibt’s Podcasts, Spotify und die ITuns. Wenn du immer auf dem Laufenden sein willst, dann abonniere uns einfach auf der entsprechenden Plattform und lass uns eine positive Wertung da.
Arrivederci bis zum nächsten Mal dein Chris.

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