Venezianische Impressionen (2)

Angekommen!

Es ist der 2. November 2020. Nach einer sechswöchigen Recherche in der Bretagne auf den Spuren von Kommissar Dupin sind wir am Vorabend zusammen mit 55 Kilogramm Gepäck in München in den Nachtzug nach Venedig gestiegen und pünktlich um 8:24 h angekommen. Der Blick, der sich beim Verlassen des Bahnhofs auftut, ist jedes Mal wieder überwältigend.

Venedig, vor dem Hauptbahnhof

Wir gönnen uns gleich mal die normalerweise überfüllte Vaporetto-Linie 1 und genießen den Canal Grande, heute fast alleine, in seiner vollen Länge.

Biblioteca Marciana und Dogenpalast

Nach 50 Minuten Fahrt erreichen wir das Becken von S. Marco und kommen am prächtigen Markusplatz, seeseitig umrahmt von der Bibliothek Marciana und dem Dogenpalast, vorbei.

Vom Anleger Arsenale sind es nur wenige Schritte zu unserer für ein halbes Jahr angemieteten Wohnung oben links in dem roten Haus.

Rio de l'Arsenal, unser Haus

Wer Venedig kennt, weiß um die Menschenmassen, die sonst hier unterwegs sind. Das ist jetzt zu Pandemiezeiten anders. Nur vereinzelt hören wir etwas schweizerdeutsch oder französisch. Vor allem an den Touristenhotspots herrscht gähnende Leere, während in unserem Sestiere Castello, in dem viele Einheimische wohnen, es weiterhin recht lebendig zugeht. Abends versammeln sie sich regelmäßig an der Riva zum Angeln.

Am Freitag wird wie jede Woche die neue Corona-Farbeinstufung erwartet. Für Venetien ist die entscheidende Frage: Sind wir orange oder gelbe Zone. Das heißt im Wesentlichen: Müssen die Bars und Restaurants „nach deutschem Vorbild“ ganz schließen, oder dürfen sie weiterhin bis 18 Uhr geöffnet bleiben? Immerhin ist klar, dass wir nicht rot werden, was zu verschärften Ausgangssperren und zur Schließung von Geschäften, Gastronomie, Kunst und Kultur führen würde.

Doch wer weiß, was noch kommt, also Carpe Diem und gleich am nächsten Tag rein in die noch geöffneten Museen.

Zuvor aber wundern wir uns über mindestens tausend künstliche Kerzen und eine Menge Film-Equipment, die über den Markusplatz verteilt sind. Eine Venezianerin verrät uns, dass zur Zeit Szenen zur neuen Folge von Mission Impossible gedreht werden und gestern kein Geringerer als Tom Cruise über den Markusplatz gesprungen sei …

Filmschaffenden sollen wir während unseres Aufenthaltes noch öfters begegnen, die Branche „nutzt“ die derzeitige Ausgangssperre ab 22 Uhr und kann nächtens unbehelligt drehen. Aber auch tagsüber ist die Stadt angenehm leer, sodass ein entspannter Drehtag gewährleistet ist.

Jetzt geht’s aber endlich in die Ausstellungen:

Im Palazzo Grassi besichtigen wir die Sonderausstellung des Fotografen Henri Cartier-Bresson. 

Henri Cartier-Bresson, der Minirock

Im wunderschönen an der Accademia-Brücke gelegenen Palazzo Franchetti erhalten wir danach eine Führung durch die Ausstellung „Novecento“, ein Abriss durch die Malerei des 20. Jahrhunderts mit Werken von Künstlern wie Miró, Paul Klee, Magritte, Warhol,

Nach soviel Kunst und Kultur freuen wir uns auf unsere gemütliche Wohnung und den einzigartigen Blick von der kleinen Dachterrasse über die Lagune – unser Dolce Vita hat definitiv begonnen!

Nachtrag vom Freitag: Juhu, wir bleiben gelb! Bars und Restaurants bleiben weiterhin bis 18 Uhr geöffnet und die Geschäfte behalten ihre normalen Öffnungszeiten bei. Schließen müssen leider trotzdem die Museen, Theater und Kinos. Gut, dass wir noch in den Ausstellungen waren.

Über die Autoren

Elisabeth Hoffmann und Karl-Ludwig Heinrich recherchieren seit zwanzig Jahren zu den Roman- und Filmschauplätzen des beliebten Commissario Brunetti und haben bisher vier Bücher dazu veröffentlicht (Infos unter www.Brunettistadtplan.de). Seit kurzem sind sie auch auf den Spuren von Kommissar Dupin in der Bretagne unterwegs (www.Dupinschauplaetze.de). Während ihrer langen Aufenthalte in Venedig haben sie viele Eindrücke über das Leben und den Alltag in der Lagune gewonnen, worüber sie in ihrer Kolumne berichten möchten.

Elisabeth Hoffmann
und
Karl-L. Heinrich
auf dem Forte Sant’Andrea
Banner Werk Venedig Heiratsantrag

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