Venezianische Impressionen (6)

Nicht nur Pisa …

… kann mit einem schiefen Kirchturm aufwarten. Venedig hat und hatte derer eine ganze Reihe. Am spektakulärsten war der Einsturz des überschiefen Campanile auf dem Markusplatz im Jahr 1902, der bald darauf wieder originalgetreu aufgebaut wurde. Neben den drei venezianischen Kirchtürmen von S. Pietro di Castello, S. Stefano (sehr gut vom Campo S. Anzolo aus zu sehen) und der Chiesa dei Greci springt förmlich der Glockenturm der Chiesa S. Martino auf Burano ins Auge, der es leicht macht, die Insel in der nördlichen Lagune schon von Venedig her zu erkennen.

Chiesa dei Greci am Rio di S. Lorenzo

An der Chiesa dei Greci sind wir bereits auf der Castello-Tour vorbeigekommen.

Im westlichen Sestiere S. Marco am großzügigen Campo de S. Stefano liegt die gleichnamige Kirche. Besonders schön ist der schiefe Campanile der Kirche vom Campo S. Anzolo aus zu sehen. Die Chiesa de S. Stefano bietet noch eine andere Besonderheit: Wenn das Wasser nicht allzuhoch steht, kann man mit der Gondel direkt unter ihrem Altar hindurchgleiten.

Eine Gondel fährt unter der Apsis der Chiesa de S. Stefano hindurch.

Auch die Chiesa S. Pietro di Castello besticht durch ihren schiefen Kirchturm. Bei diesem Campanile kann man sehr schön den schief eingesunkenen Sockel aus nächster Nähe begutachten.

Chiesa S. Pietro di Castello
Fundament des Campanile der Chiesa S. Pietro di Castello

An dieser Stelle sollte noch ein anderer, ganz besonderer Kirchturm einer ganz besonderen Kirche erwähnt werden. Die Giglio-Kirche in S. Marco am Campo S. Maria Zobenigo, offiziell Chiesa S. Maria Zobenigo, ist ursprünglich eine Privat-Kirche der reichen Familie Zobenigo, später der Familie Barbaro. Beim genaueren Betrachten der prunkvollen Fassade kann man feststellen, dass es sich bei den Figuren nicht etwa um Heilige, sondern (mangels Heiligenschein) um bedeutende Familienmitglieder handelt. Auch findet man diverse Karten und Stadtpläne der wichtigsten Kriegsschauplätze von Antonio Barbaro. Außerdem fällt auf, dass die Kirche nur ein sehr kleines, aufgesetztes Glockentürmchen besitzt. Tatsächlich ist der ursprüngliche Campanile im 18. Jahrhundert eingestürzt, weil er sich zu sehr geneigt hatte – ein Schicksal, das er sich mit manch anderem Kirchturm in Venedig teilte, die mit weichem, sumpfigem Untergrund in den meisten sestieri der Stadt zu kämpfen hatten. Der Neuaufbau kam bald ins Stocken und ist nie über einen Stumpf hinausgewachsen. Der allerdings ist bis heute erhalten: Es handelt sich um das kleine Backsteinhäuschen auf dem Platz neben der Kirche, das heutzutage einen Souvenirladen enthält.

Eine weitere Besonderheit der Giglio-Kirche ist noch, dass sie das einzige Rubens-Gemälde der Stadt beherbergt, die Jungfrau mit Kind und dem Johannesknaben.

Über die Autoren

Elisabeth Hoffmann und Karl-Ludwig Heinrich recherchieren seit zwanzig Jahren zu den Roman- und Filmschauplätzen des beliebten Commissario Brunetti und haben bisher vier Bücher dazu veröffentlicht (Infos unter www.Brunettistadtplan.de). Seit kurzem sind sie auch auf den Spuren von Kommissar Dupin in der Bretagne unterwegs (www.Dupinschauplaetze.de). Während ihrer langen Aufenthalte in Venedig haben sie viele Eindrücke über das Leben und den Alltag in der Lagune gewonnen, worüber sie in ihrer Kolumne berichten möchten.

Elisabeth Hoffmann
und
Karl-L. Heinrich
auf dem Forte Sant’Andrea

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