Venezianische Impressionen (8)

Wie der Magistrat von Venedig einst das Geschäft der Prostituierten ankurbelte

Im Mittelalter bildete die Prostitution in der von männlichen Kaufleuten aus aller Welt besuchten Handelsstadt Venedig eine bedeutsame Einnahmequelle. So reichten die Steuereinnahmen der Prostituierten aus, um jährlich die Seemacht Venedig um vier komplett ausgerüstete Galeeren zu erweitern. Als in der Renaissance die Homosexualität hoffähig wurde, brachen die Einnahmen der früher so begehrten Damen jedoch empfindlich ein. Aufgrund einer Petition an den Magistrat, etwas dagegen zu unternehmen, erließ dieser die Verfügung, dass die Prostituierten die auf Abwege geratenen Herren „heilen“ sollten. Sie hätten fortan mit entblößtem Oberkörper im Haus über der daraufhin sogenannten Ponte de le Tette („Tittenbrücke“) zu posieren, um noch Zweifelnde anzulocken. Als sich herausstellte, dass das nicht zum gewünschten Erfolg führte, wurde Homosexualität dann doch mit der Todesstrafe belegt. Daraufhin nahm jeder Mann von Welt, um ja keine Zweifel an seiner sexuellen Orientierung aufkommen zu lassen, die Dienste der Prostituierten gerne in Anspruch. Und so erholte sich dieser Wirtschaftszweig rasch wieder zum Ruhme Venedigs …

Ponte de le Tette
Schild zur Ponte de le Tette

Über die Autoren

Elisabeth Hoffmann und Karl-Ludwig Heinrich recherchieren seit zwanzig Jahren zu den Roman- und Filmschauplätzen des beliebten Commissario Brunetti und haben bisher vier Bücher dazu veröffentlicht (Infos unter www.Brunettistadtplan.de). Seit kurzem sind sie auch auf den Spuren von Kommissar Dupin in der Bretagne unterwegs (www.Dupinschauplaetze.de). Während ihrer langen Aufenthalte in Venedig haben sie viele Eindrücke über das Leben und den Alltag in der Lagune gewonnen, worüber sie in ihrer Kolumne berichten möchten.

Elisabeth Hoffmann
und
Karl-L. Heinrich
auf dem Forte Sant’Andrea
Banner Werk Venedig Heiratsantrag

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